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Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers

Fehér, M. István (2008) Die Gottesfrage im Denken Martin Heideggers. WIENER JAHRBUCH FÜR PHILOSOPHIE, 39/200. pp. 141-164. ISSN 0083-999X

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Abstract

Das Denken Martin Heideggers hat im 20sten Jahrhundert nicht nur die Philosophie, sondern auch mehrere wissenschaftliche Disziplinen entscheidend geprägt. Unter ihnen ist es wohl die Theologie gewesen – sowohl die katholische als auch die protestantische –, auf die sich Heideggers Einfluß am nachhaltigsten erwies. „Die Theologie ist wohl die Wissenschaft gewesen, in der sich Anstöße von Heidegger am stärksten ausgewirkt haben“. Theologie und Gottesfrage sind offensichtlich eng miteinander verbunden. Die Gottesfrage dürfte wohl für die Theologie – ihrem eigensten Selbstverständnis nach – eine ihrer zentralsten Fragen, ja vielleicht sogar ihre zentralste und allererste Frage darstellen.Theologie heißt ja wortwörtlich theos-logos, Rede – oder wissenschaftliche Rede – über Gott. Die Gottesfrage, d.h. das Fragen nach Gott, kann in ihrer Entfaltung zu unterschiedlichen Gottesbegriffen führen, in ihnen ihren Niederschlag bzw. ihre begriffliche Ausprägung finden, wobei die jeweilige Begrifflichkeit gar nicht nebensächlich oder gleichgültig bleibt. Mit Begriffen umzugehen ist aber seit eh und je Sache der Philosophie. Sie bewegt sich ihrem eigensten Selbstverständnis nach im Element des Begriffs.3 Theologie ist auf diese Weise an Philosophie angewiesen, sie kommt ohne diese, wie es scheinen möchte, nicht aus. Die Philosophie der Neuzeit hat nun den charakteristischen Begriff Causa sui geschaffen und ihn vor allem als Gottesbegriff in Anspruch genommen. – In dem Aufsatz des späten Heidegger über „Die onto-theo-logische Verfassung der Metaphysik“ finden sich im Blick auf den Gott der Philosophie als Causa sui folgende, nicht von ungefähr und nicht zu Unrecht berühmt gewordene Sätze: „Zu diesem Gott kann der Mensch weder beten, noch kann er ihm opfern. Vor der Causa sui kann der Mensch weder aus Scheu ins Knie fallen, noch kann er vor diesem Gott musizieren und tanzen. – Demgemäß ist das gott-lose Denken, das den Gott der Philosophie, den Gott als Causa sui preisgeben muß, dem göttlichen Gott vielleicht näher. Dies sagt hier nur: Es ist freier für ihn, als es die Onto-Theo-Logik wahrhaben möchte.“. –– Über die einleitenden grundsätzlichen Überlegungen zum Verhältnis von Theologie und Philosophie hinaus – und z.T. diese bestätigend – dürfte aus diesem einzigen Zitat erhellen, daß der Gottesfrage im Denken Martin Heideggers nachzugehen sinnvollerweise nur möglich ist – zumal da Heideggers Kritik der Ontotheologie u.a. mit seiner ihm eigenen Auffassung der Theologie im wesentlichen zu tun hat und auch mit seiner Kritik des metaphysischen Gottesbegriffs im innigsten zusammenhängt – , wenn man den Versuch unternimmt, einen etwas breiteren Rahmen in bezug auf die Stellung, die Begriffe wie Gott, Religion, Glaube, Theologie, Philosophie bzw. Metaphysik, Ontotheologie in Heideggers Denken einnehmen, zu entwerfen, in welchen Rahmen dann die eigentliche Behandlung des Themas eingebettet werden soll.

Item Type: Article
Additional Information: hrsg. Hans-Dieter Klein, Wien: Wilhelm Braumüller Universitätsverlag, 2008. ISBN 978-3-7003-1650-3
Subjects: B Philosophy. Psychology. Religion / filozófia, pszichológia, vallás > B1 Philosophy (General) / filozófia általában
B Philosophy. Psychology. Religion / filozófia, pszichológia, vallás > BD Speculative Philosophy / rendszeres filozófia
SWORD Depositor: MTMT SWORD
Depositing User: MTMT SWORD
Date Deposited: 26 May 2014 06:59
Last Modified: 26 May 2014 07:47
URI: http://real.mtak.hu/id/eprint/12881

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